Kleiner Reisebericht: Island

Island die größte Vulkaninsel der Welt! Schon vor Jahren planten wir, diese Insel voller faszinierender Naturgewalten zu erkunden. Diesen August haben  zwei Freundinnen und ich uns unseren kleinen Traum erfüllt. Und nachdem die Isländer seit der EM ohnehin mehr Aufmerksamkeit erhalten, soll sich dieser kleine Reisebericht meinen Erfahrungen aus Island widmen.

 

Planung: Auto, Bus oder zu Fuß

Die große Reise muss natürlich ausreichend gut organisiert werden! Wer auf eine Insel möchte, muss sich vorher über zwei Fragen im Klaren sein: Wie gelange ich dorthin und wie möchte ich mich dort fortbewegen? Prinzipiell gibt es die Variante, einen Flug zu nehmen und sich einen Mietwagen vor Ort zu leihen, die dortige Infrastruktur zu nutzen oder auf die Freundlichkeit der Einheimischen, Touristen oder sonstigen Menschen mit Autos zu hoffen und zu trampen. Alternativ kann man natürlich sich und sein eigenes Auto mit einer Fähre zum gewünschten Ort transportieren. Wer das macht, sollte sich aber im Voraus mit der rechtlichen Situation des Zielortes auseinander setzen. In Island beispielsweise ist eben dieses Vorhaben ab einem Mindestalter von 21 Jahren und mindestens 3 Jahren Fahrerfahrung erlaubt.

Ebenfalls gesetzlicher Restriktionen unterliegend ist das Mieten von Leihwägen. Hier gelten die gleichen Bedingungen. Da nur eine den Führerschein hatte, jedoch die Konditionen nicht erfüllt hätte, die Fahrei für einen alleine ohnehin sehr anstrengend gewesen wäre und wir eine wesentlich günstigere Alternative zum Auto fanden, entschieden wir uns für einen Flug nach Island und einen Buspass um die ganze Insel. Den Flug buchten wir etwa 4 bis 5 Monate im Voraus, als wir alle unsere Klausurtermine, Praktikumszeiten und dergleichen wussten. Der Preis der Flugtickets lag zu diesem Zeitpunkt im Bereich von 300 Euro für Hin -und Rückflug. Für den Buspass zahlten wir weitere 200 Euro.

Vulkankrater
Dank Busspass von der Küste bis zum Vulkankrater; Foto: Anna-Luisa Römling

Solche Buspässe werden von den meisten isländischen Busunternehmen angeboten, wobei man Buspässe für verschiedene Routen buchen kann. Der Bus fährt im Allgemeinen genau einmal am Tag an jeder Haltestelle vorbei und man kann aus -und einsteigen, wann man möchte und sich eine Bleibe für den Aufenthalt suchen. Praktisch ist, dass die Busse vorzugsweise an Campingplätzen oder Hotels halten, was die Suche und das Erreichen von Aufenthaltsorten erheblich erleichtert. Wir nahmen die Full Circle Route, also eine Linie, die die große Ringstraße Islands einmal rundfährt, damit wir einmal um ganz Island rum kommen. Wer z.B. in die Highlands möchte, kann sich auch einen entsprechenden Buspass buchen, hat aber mit höheren Kosten zu rechnen. Wir sahen den Vorzug im Buspass in der finanziellen und zeitlich organisatorischen Sicherheit gegenüber dem Trampen und Autofahren, denn der Bus hat sowohl einen fixen Preis als auch Zeitplan. Nachteil ist natürlich die fehlende Flexibilität, denn man ist an die Route und die Stops des Busses gebunden. Ohne Auto ist ein Erreichen von davon weit abgelegenen Orten quasi unmöglich.

Man kann natürlich immer versuchen, zu trampen. Dass dabei gewisse Vorsicht zu walten ist, sollte jedem bewusst sein, man steigt ja schließlich zu fremden Leuten ins Auto. Bisher muss ich aber sagen, dass ich keine einzige schlechte Erfahrung gemacht habe. Die Personen, bei denen ich mitgefahren bin, waren überwiegend freundlich und gesprächig, haben uns über die Orte, die Geschichte und die Kultur erzählt und uns zum Teil kleine Sightseeing-Touren gegeben. Die Isländer scheinen trampende Reisende gewöhnt zu sein und so hatten wir selten längere Wartezeiten als zehn Minuten. Insgesamt ist das eine spannende und vor allem aufregende Erfahrung. Anfangs hat sich von uns Dreien niemand so wirklich getraut, enttäuscht wurden wir jedoch nie und mit der Zeit fiel es uns immer leichter.

Um Mitternacht ist es immernoch hell...
Um Mitternacht ist es immernoch hell…; Foto: Anna-Luisa Römling

Budgetbewusstes Wohnen: Zu neunt im Einzelzimmer

Wer komfortabel in warmen Hotels und Hostels nächtigen möchte, der muss definitiv im Voraus planen und buchen! Wir haben beschlossen, in den zwei Wochen zu campen. Der Vorteil daran ist, dass man flexibler in seinem Zeitplan ist, denn man ist ja an keine Buchung gebunden. Wir sind von Ort zu Ort gefahren, haben uns einen Campingplatz gesucht, die Dauer unseres Aufenthalts dort festgelegt und bezahlt. Mit Preisen zwischen umgerechnet sieben bis 15 Euro pro Nacht und Person ist es dann doch die erschwinglichere Variante. Campen in Island ist aber nicht für jeden der größte Spaß! Nach einem langen Tag draußen im doch eher kalten Island wünscht man sich nichts sehnlicher als ein warmes Bett und eine heiße Tasse Tee. Ein warmer Raum würde einem vielleicht fürs erste auch schon reichen. Wir mussten leider feststellen, dass nicht jeder Campingplatz in Island gut ausgebaut war. Manche bestanden quasi nur aus dem Rezeptionshüttchen. Deshalb plädieren wir dafür, dass ein warmer Aufenthaltsraum auf isländischen Campingplätzen Pflicht wird! (Das sollte zumindest für die Campingplätze gelten, für die man auch bezahlen muss.) Problem daran ist nämlich vor allem, dass man in den kalten Monaten (wozu der August ja schon zählt) niemals die Chance hat, seine nassen Klamotten trocknen zu lassen. Nachdem es in Island viel regnet, ist es auch keine Seltenheit, dass man mal durchgenässt wird. Hinzu kommt, dass es auch mal sehr windig sein kann. Wer dann draußen versucht, sich mit dem Campingkocher sein Essen zuzubereiten, wird feststellen, dass das gar nicht so einfach ist. Die kleine Flamme des Kochers hält dem Wind einfach nicht stand! So kam es vor, dass wir statt Nudeln mit Kräutersoße eine Kräutersuppe mit knusprigen Nudeln gegessen haben. Wo wir schon beim Essen sind: Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass das Wasser in manchen Teilen Islands schweflig riecht und schmeckt (wird auch gerne Eierwasser genant). Die Isländer behaupten aber, dass das total gesund sei. Lecker ist es auf jeden Fall nicht.

Genug gemeckert! Wer nach Island fliegt, sollte sich bewusst sein, dass es kalt ist (Höchsttemperatur im Jahr: 12 Grad!) und dementsprechend packen. Ja, die Nächte können im Zelt sehr unangenehm sein, aber das gehört dazu! An manchen Nationalparks und prominenten Wanderwegen ist die einzige Übernachtungsmöglichkeit das Campen, denn da ist dann einfach in den nächsten paar Kilometern Umkreis nichts an Zivilisation. Für mich war es das erste Mal im Leben, dass ich mir Gedanken machen musste, wie ich mir meine letzten Brotscheiben rationiere, weil ich in den nächsten Tagen nicht die Möglichkeit haben werde, mir neue zu kaufen. Deshalb sollte auch hier wirklich gut geplant werden! Ich empfehle, sich im Voraus informieren, wie die Infrastruktur der Orte ist, an denen man bleiben wird und dementsprechend eventuell schon mal vorzusorgen. Aber nun reicht es wirklich mit dem Gemecker! Wir waren auch an Campingplätzen, die einen total schönen, gemütlichen Aufenthaltsraum hatten, die mit einer Küche ausgestattet waren und die heiße Whirlpools ohne Aufpreis angeboten haben.

Gletscherlagune Jokulsarlon
Gletscherlagune Jokulsarlon – kein Wunder bei 12 Grad Höchsttemperatur; Foto: Anna-Luisa Römling

Nachdem wir uns bei unserer Reiseplanung sicher waren, dass ein warmes Bett zwischendurch doch ganz nett sein würde, wir aber trotzdem nicht viel Geld ausgeben wollten, entdeckten wir Couchsurfing als die Möglichkeit für uns. Couchsurfing ist eine kostenlose Plattform, auf der man Leute finden kann, die einen bei sich übernachten lassen würden. Ich habe gefühlt ganz Island kontaktiert und davon habe ich eine einzige Zusage erhalten. Diese Übernachtung wurde unser Lichtblick an den kalten, regnerischen und windigen Tagen! Der Couchsurfing-User gab auf seinem Profil an, dass er bis zu sechs Menschen bei sich aufnehmen könnte. Wir gingen davon aus, dass er ein Haus oder zumindest eine sehr große Wohnung besaß und dass wir drei die einzigen sind, die an diesem Tag bei ihm übernachten würden. Das war zumindest unsere Vorstellung. Beides erwies sich als sehr falsch. Der Couchsurfer lebte in einer Einzimmerwohnung und ließ doch noch ein paar Menschen mehr bei sich wohnen, sodass wir am Ende zu neunt waren. Für uns bedeutete das: Wieder kein Bett! Obwohl wir schon wieder auf unseren Isomatten nächtigen mussten, war es doch eine sehr interessante und einzigartige Erfahrung. Couchsurfing wirbt damit, dass man die Möglichkeit erhält, mit Einheimischen in Kontakt zu treten, sich von ihnen das Sehens -und Erlebenswerte abseits der Reiseführer und Touristeninformation zeigen zu lassen und einfach neue Freunde im anderen Land kennen zu lernen. Das alles traf auch wirklich ein! Zusätzlich zu unserem Isländer haben wir mit einer Französin, einer Ukrainerin, zwei Weißrussen und einem weiteren Isländer zusammen gelebt und zusammen eine schöne Zeit verbracht. Es kommt nicht immer wie erwartet, das ist das Risiko, das man eingeht, aber lohnen kann und wird es sich trotzdem.

 

Aktivitäten: Fast wie Mordor

Nun kommt der wohl wichtigste Abschnitt: Was kann ich in Island sehen und machen? Man sollte gewiss eine Begeisterung für Natur und Wanderlust haben, um sich in Island nicht zu langweilen. Städtemenschen sind hier eher weniger gut aufgehoben, obwohl man betonen muss, dass die Fjords auf jeden Fall einen Besuch wert sind. Unser Couchsurfing-Host erzählte uns, es sei ein Muss, die Westfjords abzuwandern. Das dauert aber einige Tage. Wir waren nur in einem kleinen, total schönen „Künstler“-Fjord, wo es ganz viele kleine Läden mit selbstgemachtem Allerlei gab.

Der Küstenfjord
Der Küstenfjord; Foto: Anna-Luisa Römling

Die größte Stadt und gleichzeitig die Hauptstadt Islands ist Reykjavik (mit 300.00 Einwohnern). Wahrlich eine Großstadt! Hier wohnen gefühlt alle Studenten Islands (ja, tatsächlich kann man in Island studieren: es gibt 4 staatliche Unis und 3 Privatunis. Drei der sieben Unis/Hochschulen befinden sich in Reykjavik!). Hier kann man dann auch mal abends weggehen.

Reykjavik
Reykjavik; Foto: Anna-Luisa Römling

Ansonsten kann man, wie auch überall, die Natur genießen. Von Reykjavik aus erreicht man recht gut den Nationalpark, wo die nordamerikanische Platte und die eurasische Platte aufeinander treffen und die Silfraspalte bilden (in deren klarem Wasser man für sehr sehr viel Geld auch tauchen kann).

Silfraspalte
Silfraspalte; Foto: Anna-Luisa Römling

Ganz allgemein kann man in Island einfach viel Außergewöhnliches, Einzigartiges und Wunderschönes sehen. Wanderungen durch grüne Gebirge fühlen sich an wie die Reise nach Mordor. Man kommt immer wieder an kleinen, an großen, an riesigen, an schönen und an spektakulären Wasserfällen vorbei und steht vielleicht sogar mal hinter einem. Definitiv zu empfehlen ist eine Fahrt zu einem Strand, denn der Sand an isländischen Küsten ist schwarz! Wer Glück hat, sieht sogar die kleinen, ungeschickten Papageitaucher. Zu sehen und zu besichtigen gibt es sämtliche Nationalparks, Vulkane, Geysire, Lavafelder voller Lavaskulpturen, Gletscher,…

Schwefelquelle
Schwefelquelle; Foto: Anna-Luisa Römling

Eine Sache habe ich aber immer noch vergessen: Die Nordlichter! Grüne. Geschwungene Streifen, die am Himmel flackern und ehe man sich versieht auch schon wieder verschwunden sind. Wir haben Nächte in den Nachthimmel starrend verbracht, nur um einmal Nordlichter sehen zu können. Wenn sie dann mal da waren, war es das Spektakel auf den Campingplätzen, bei dem sich alle versammelt haben, um die Lichter zu beobachten. Wem das noch nicht genug ist, der kann einen romantisch-kitschigen Abend im Naturbad verbringen. Das sind Schwimmbäder unter freiem Himmel mit Wasser aus heißen Quellen (Vorsicht: riecht auch etwas schwefelig). Die Bäder sind in bestimmten Monaten bis Mitternacht geöffnet. Bei einer Außentemperatur von ca. 6 °C kann man im bis zu 40 °C heißen Wasser den Blick auf isländische Landschaft mit Vulkankratern, den Sonnenuntergang und den Sternenhimmel genießen, während man auf klaren Himmel mit Nordlichtern hofft. Alles einfach sehr schön!

von Anna-Luisa Römling