Fasten: Der Zwischenbericht

Seit einem Monat faste ich. Das heißt, zwei Drittel der Zeit sind schon rum: Am 15. April, also am Samstag des Osterwochenendes, ist der letzte Fastentag.

 

So viel habe ich von meinem Fasten eigentlich gar nicht zu berichten. Und zwar, weil ich mir  erstens  eine Weichei-Luschenversion von Fastenprogramm vorgenommen habe. Ist nicht so schwer, das dann auch einzuhalten. Und  zweitens  weil mein Leben zwischendurch aus privaten Gründen nicht ganz so war wie sonst, ich zum Beispiel eine Woche wieder bei meinen Eltern verbracht habe. Und deshalb nicht so viel selbst eingekauft habe, wie ich das in einem Monat normalerweise getan hätte. Dabei kam es bei meinem Fastenprogramm gerade darauf an, mein Einkaufsverhalten zu reflektieren.

Mein Fastenprogramm war: Nichts mit Kakao kaufen, was nicht Fairtrade-zertifiziert ist. Und keine Klamotten kaufen. Ergänzt habe ich noch  um mich moralisch besser zu fühlen, und nicht, weil es schwer ist: Keinen Kaffee, der nicht Fairtrade ist, kaufen. (Fast) nicht schwer war das, weil ich auch sonst schon Fairtradekaffee kaufe. Neu war also nur noch, dass ich in Cafés auf den Kaffee geachtet, beziehungsweise einfach keinen getrunken habe.

Ich fange mal von hinten an: Das mit dem Kaffee war also relativ einfach. Meinen Filterkaffee sowie meinen Instantkaffee kaufe ich immer in Fairtrade. Gibt’s ja inzwischen glücklicherweise auch leicht in Supermärkten zu finden. In Cafés war ich relativ viel in letzter Zeit. Heiße Schokolade war für mich ja keine Alternative zu Kaffee: Habe also Cola getrunken. Hat auch Koffein (gesünder ist sie sicherlich nicht).

 

Ausrutscher passieren…

Ein Ausrutscher ist mir passiert. Mehrfach. Und erst heute aufgefallen. Ob ich diesen Ausrutscher noch behebe, oder einfach so weitermache, muss ich mir noch überlegen. Ich mache gerade ein Praktikum in einer Firma in Nürnberg. Und da gibt es einen Kaffeeautomaten, den ich öfter benutze. Die Kaffeebohnen kaufe nicht ich ein – aber jeder Mitarbeiter muss eine Kaffeestrichliste führen. Ich zahle für jeden Kaffee, den ich mir dort mache, 50 Cent. Ich habe also Kaffee gekauft, ohne darauf zu achten, ob er Fairtrade ist.

Fast ist mir neulich ein zweiter Ausrutscher passiert: Bei meinem Praktikum habe ich Frühschichten. Da muss ich um 7 Uhr morgens in Nürnberg sein, ich wohne in Erlangen. Ich bin also am Montag mit dem Fahrrad zum Bahnhof gerast, ich war wie immer knapp dran. Ich bin mit hochrotem Kopf und zitternden Beinen auf den Bahnsteig gerannt. Man ahnt es schon: die Bahn entschuldigt sich bei den verehrten Fahrgästen  der Regionalexpress hat 20 Minuten Verspätung. Entnervt mache ich Fotos vom Sonnenaufgang und gönne mir einen Kaffee. Und denke nicht daran, auf Fairtrade zu achten. War aber nur halb so wild: Tatsächlich hat die Bäckereikette, bei der ich mir den teuren Kaffee (im ordentlich Müll machenden To-Go-Becher) geholt habe, vor kurzer Zeit auf Fairtrade umgestellt!

Kommen wir also zu den Klamotten. Das geht schnell. Ich habe bisher keine gekauft, bis auf eine Ausnahme, die ich unbedingt machen musste. Von diesem einen Kleidungsstück, das ich brauchte und noch nicht hatte, habe ich gleich zwei Exemplare gekauft, nachdem sie endlich passten und ich vorher in vier Läden circa 40 Stück erfolglos anprobiert hatte. Das sind aber Kleidungsstücke, die ich lange haben, tragen und nicht bald neu kaufen werde.

Schließlich also das wichtigste: Der Kakao. Ich liebe Schokolade. Glücklicherweise hatte ich, und habe ich noch, genug auf Vorrat daheim. Außerdem ist Schokolade in Tafeln das geringste Problem, die findet man leicht Fairtrade-zertifiziert, auch das schon länger in normalen Supermärkten (meine Lieblings-Supermarktkette hat auch seit mindestens zwei Jahren sämtliche Weihnachts-Schoko-Produkte nur mit Fairtradeschoki. Dort gibt es netterweise inzwischen auch Fairtrade-Tee. Ich werde im letzten Drittel der Fastenzeit – und vermutlich nächstes Jahr auch  nur noch Fairtrade-Tee kaufen).

 

Kakao überall

Problematischer wird es bei Trinkkakao. Für warme Milch werden seit Jahren Fairtrade-Trinkschokoladen angeboten. Ich habe aber schon ewig, schon lange vor meinem diesjährigen Fastenprogramm, nach Kakao für kalte Milch gesucht. Inzwischen habe ich ein Produkt gefunden: “Instant-Kakao” für warme UND kalte Milch, Fairtrade. Den muss ich aber noch ausprobieren  die Tüte ist noch zu (gut für meine Figur).

Es gibt aber natürlich noch einen Haufen anderer Produkte, in denen Kakao ist. Bei einigen ist das irgendwie logisch (man denkt trotzdem nicht immer dran), bei anderen kommt man nicht unbedingt drauf. Mir ist zum Beispiel aufgefallen, dass in meinen Lieblingskeksen – Russisch Brot – Kakao in den Zutaten ist (jedenfalls bei mindestens einer Firma – die anderen habe ich noch nicht geprüft). Habe also keines gekauft (auch da waren zum Glück noch ein paar Tüten auf Vorrat bei mir… *hust*).

Sehr schwierig wird es bei Schokostreuseln: Die wollte ich mir zum Backen kaufen, habe aber bisher noch nirgendwo welche gefunden (normaler zuckerloser Kakao zum Backen ist hingegen problemlos in Fairtrade zu finden). Und ich hätte auch fast nicht darauf geachtet. Ich war mit den normalen Schokostreuseln schon fast an der Kasse, als mir einfiel, dass da was war. Ich habe sie tapfer zurück gelegt. Ebenso den Eimer Stracciatellajoghurt, den ich mir so furchtbar gerne gekauft hätte. Ich liebe ungesundes, süßes Zeug. Leider sind die ganz ganz wenigen Prozent Kakaoanteil in den “Schokostreuseln” da drin nicht Fairtrade-zertifiziert.

 

Fazit

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mich jetzt heldenhaft oder wie ein Weichei fühlen soll. Habe noch ein bisschen Zeit, mir das zu überlegen, und liefere vielleicht einen Fasten-Nachbericht nach. In ein paar Tagen gibt’s aber erstmal noch einen viel spannenderen Zwischenbericht: Lena fastet Plastik. Die macht’s richtig. Nicht so ein Weichei-Programm wie bei mir…

 

von Carla Ober

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