Dresscode: Diplomat

Bei den Model United Nations in Neuendettelsau wimmelt es nur so von Idealisten, Weltverbesserern und Verständigungsproblemen auf Englisch. Große Redner und Debattier-Experten in überteuerten Anzügen tummeln sich vor dem Kuchenbuffet. Doch wozu das Ganze?

 

Salz. Ich brauchte Salz. Das Pizzabrötchen, das sich bei dem täglichen Gang in die Mensa als eine willkommene Abwechslung herausgestellt hatte, war mir zu fade. Ich salzte nach. In mein Pizzabrötchen beißend hörte ich der Syrien-Delegation mit halbem Ohr zu.

Wie ich auf die Model United Nations gekommen bin? Nun ja, so genau weiß ich das auch nicht mehr. Muss mich wohl auf der Website des Politischen Instituts verklickt haben. Ohne große Umschweife wird dort auf eine externe Seite verwiesen: faumun.org. Ansonsten gibt es nur noch ein Video. Ein Klick darauf und Zusammenschnitte mehrerer Aufnahmen der MUN-Seminare werden eingeblendet. Dazu wird das Konzept der Model United Nations kurz erklärt. „MUN is about diplomacy and understanding“, heißt es da.

 

Das Konzept der Simulation ist recht simpel. Jeder kann sich ein Land aussuchen und versucht dessen Regierungsposition angemessen bei der Simulation einer Generalversammlung der Vereinten Nationen zu vertreten. Bei MUN geht es also um Verhandlungsstrategien, um diplomatische Etikette und um Überzeugungskraft. Es geht um das Angeln von Koalitionspartnern und darum, möglichst viele Länder von den eigenen Ansichten zu überzeugen. Am Ende steht die eigene Resolution mit Handlungsvorschlägen vor den UN-Mitgliedsstaaten zur Abstimmung.

Einige haben sich beim Abendessen die Serviette in das schneeweiße Hemd gesteckt, um den 500-Euro-Anzug nur nicht mit Fettflecken zu übersäen. Durch die Studenten in Anzug und Krawatte oder wahlweise in Bluse und Blazer fühlt man sich tatsächlich wie in den echten Vereinten Nationen. Über die drei Tage habe ich einen tieferen Einblick in die Vereinten Nationen und die Funktionsweise der Generalversammlung bekommen. Bestimmte Punkte dürfen nur zu bestimmten Zeitpunkten eingebracht werden. Und durch geschickte Anwendung der Regeln können sie zum eigenen Vorteil werden und so andere Länder ins Abseits gedrängt werden.

 

Meine Hand greift wieder zum Salzstreuer. Gedankenverloren schau ich zu Thailand hinüber. Der Mathematiker knabbert zufrieden an seinem Pizzabrötchen. Klar, die Konferenz ist nicht nur als Training für angehende Diplomaten gedacht. Pädagogen, Mathematiker und sonstige ‘Fachfremde’ sind ebenfalls unter den Teilnehmern. Die Entwicklung von soft skills, die sonst kaum in den regulären Univorlesungen und Seminaren behandelt werden, werden hier durch das Halten von Reden und das Debattieren zweier Parteien ganz groß geschrieben. Ganz zu schweigen von den 5 ECTS-Punkten, die nach der Teilnahme bei der BayernMUN-Konferenz dem Punktekonto winken.

Ob ich nächstes Jahr wieder teilnehme? Ja klar, antworte ich Namibia, das Datum wird mit Rotstift markiert. Schließlich findet man auf den BayernMUN nicht nur Diplomaten, sondern auch neue Freunde.

 

von Mona Enßlin