Hannah InDonesien – Abschied vom schönen Chaos

Allzu bald werde ich wieder mal in einem Flieger sitzen. Diesmal aber nicht nach Sumatra oder Lombok, sondern – der Gedanke ist noch gewöhnungsbedürftig – nach Deutschland.

 

Foto: Hannah Schabert

Jetzt ist also diese komische Zeit, in der man anfängt, Dinge zum (vorerst) letzten Mal zu tun. Letztes Mal Gado-Gado essen, letztes Mal in den Lieblings-Coffeeshop, letztes Mal in Jakarta feiern gehen. Allen sagen, dass es ja nicht das letzte Mal sein wird, weil man definitiv wiederkommen wird. Hoffen, dass man dann auch wirklich die Zeit und das Geld findet, um Wort zu halten.

Zwischen Donuts mit (jetzt nicht mehr) Kollegen und zu schnell getrunkenen Avocado-Säften am Straßenrand sickert tröpfchenweise die Erkenntnis ein, dass dieser Zustand natürlich nicht ewig bleibt. Also schaltet sich sofort mein Hirn ein, um mich penetrant daran zu erinnern, dass ich noch Souvenirs brauche, das Flugticket ausdrucken muss, meinen Koffer intelligent und platzsparend packen sollte. Bald!

Foto: Hannah Schabert

Weggehen? Heimkehren?

Trotzdem komme ich nicht darum herum, mich gedanklich früher oder später damit auseinander zu setzen, dass ich gehen muss. Oder auch zurückkommen. Dass Abschiede immer ambivalent sind, gute und schlechte Seiten haben und ein neuer Anfang sind, ist allgemein bekannt. Dass ich vieles vermissen werde, weiß ich genau.

Heute, nach gut fünf Monaten Indonesien, beginne ich mich jedoch auch zu fragen, in was für ein Land ich zurückkehren werde. In was für einem Land so viele junge Indonesier und Indonesierinnen unbedingt leben wollen, ohne es je gesehen zu haben.

Foto: Hannah Schabert

Fünf Monate lang war ich fremd, wurde auf der Straße beäugt und angesprochen und habe mich zuweilen gewundert, weil es noch immer so vieles gibt, was ich nicht verstehe. Ich habe in einer chaotischen Stadt voller Abgase und Schlaglöcher und Müll am Straßenrand gelebt.

 

Fremd sein und Gast sein

Fünf Monate lang war ich aber auch Gast, wurde eingeladen und angelächelt. Meine Fremdartigkeit war kein Makel, sondern vielmehr Anlass zum Dialog. Ich war viel Reisen, habe unterschiedlichste Facetten einer so wandelbaren Stadt erlebt und kenne den Geruch schwerer Blüten nach dem Monsun.

Wenn ich nun also zurückkomme, dann hoffe ich, ein Land vorzufinden, das nicht nur mir die Türen öffnet, sondern auch denen, die zum ersten Mal herkommen. Und dass es, so ganz ohne Monsun, ohne Palmen und ohne Drachen und Drachenfrüchte, etwas anderes zu bieten hat, um zum Zuhause zu werden.

Foto: Hannah Schabert

Aber darüber muss ich erst morgen nachdenken. Denn heute lebe ich noch in Jakarta. Ich kann noch einmal durch meine Hood laufen, den Löchern im Gehweg ausweichen, für lächerlich wenig Geld am Warung essen und nachts die Stadt bei ihrem schwindelerregenden Wachstum beobachten.

 

Von Hannah Schabert