Sexuelle Belästigung – Ein Kommentar

Durch die aktuellen Vorwürfe gegen Harvey Weinstein ist sexuelle Belästigung vermehrt in den Medien präsent. Aber was ist eigentlich sexuelle Belästigung und wie sieht es an Hochschulen und an der FAU aus? Eine kurze Übersicht.

 

Harvey Weinstein – Einer von vielen

Mit dem Hashtag #metoo kann man aktuell in jedem sozialen Netzwerk zahlreiche Posts entdecken, in denen hauptsächlich Frauen über sexuelle Belästigung im Alltag oder im Job berichten. Erschreckend ist, wie viele davon betroffen sind. Dieser Hashtag-Trend wurde von der Schauspielerin Alyssa Milano angestoßen, in Reaktion auf die aktuellen Ereignisse um Harvey Weinstein. Der berühmte Hollywood Produzent, der neben zahlreichen weiteren Filmen „Shakespeare in love“ und „Gangs of New York“ produzierte, hat nun schwerwiegende Vorwürfe von mehrfachen Vergewaltigungen und sexuellen Belästigungen am Hals. Schauspielerinnen wie Angelina Jolie und Cara Delevingne melden sich zu Wort und beschreiben ihre negativen und ekelhaften Erfahrungen mit Weinstein. Selbst nur beim Lesen wird mir schlecht. Ich kann und will mir gar nicht vorstellen, wie sich das für die betroffenen Frauen anfühlt. Wie krank kann diese Gesellschaft sein, in der Frauen so behandelt werden? Und wie kann es sein, dass sie extremst unterdrückt werden und jahrelang nichts von der Straftat erzählen, weil sie Angst um ihren Job und um ihren Ruf haben müssen? Einflussreiche Personen wie Weinstein, die Frauen Erfolg versprechen und im Gegenzug sexuelle und erniedrigende Handlungen fordern, nutzen hierarchische Machtverhältnisse schamlos aus.

 

Aber was genau ist eigentlich sexuelle Belästigung?

Sexuelle Belästigung kann schon ein hinterher pfeifen sein, wenn sich die Person dadurch belästigt fühlt. Weiter geht es mit taxierenden Blicken, unerwünschten Berührungen bis hin zur sexuellen Nötigung und Vergewaltigung. In Prinzip alles, was ein einseitiges sexuell belegtes Verhalten ist, das für die andere Person als verletzend und entwürdigend ist. Betroffen von sexueller Belästigung sind Frauen und Männer, jedoch statistisch gesehen überwiegen ganz klar die Frauen. (Definition auch nachzulesen unter www.gender-und-diversity.fau.de)

Sexuelle Belästigung unterscheidet sich grundlegend von Flirts und Komplimenten, was laut Internet und Kommentaren anscheinend manche Menschen nicht so ganz verstehen wollen/können. Sprüche wie „Nimm es doch als Kompliment, dein Hintern ist so schön, da kann man als Mann einfach nicht widerstehen.“ bringen mich zur Weißglut. Nein, deine Hände haben rein gar nichts an meinem Körper zu suchen, wenn ich es dir nicht ausdrücklich erlaube. Und selbst, wenn du das Gefühl hast, dass ich mit dir flirte, dann ist das keine Einladung, mich zu begrabschen. Wenn du dir nicht sicher bist, was als Kompliment durchgeht und was nicht, dann mach am besten gar keine mehr.

 

Sexuelle Belästigung an Hochschulen

Auch an deutschen Hochschulen ist sexuelle Belästigung Realität. Laut der Studie der Kriminologin Katrin List haben 81 Prozent der befragten Studentinnen schon sexuelle Belästigung erlebt (Das komplette Interview könnt ihr hier nachlesen). Lange war sexuelle Belästigung ein Tabuthema. Zum Glück wird das Thema aber mittlerweile aufgearbeitet. Beispielhaft geht die Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen voraus: 2014 wurden Richtlinien zum Umgang mit sexueller Belästigung an der FAU von der Universitätsleitung beschlossen und somit der aktive Umgang und die Enttabuisierung sexueller Belästigung in den Fokus gesetzt.

Weitere Informationen findet ihr auf der Website des Büros für Gender und Diversity der FAU, wo ihr unter Anderem den Flyer „Nein heißt Nein“ mit direkten Handlungsanweisungen gegen sexuelle Belästigung finden könnt und wo ihr im Fall einer sexuellen Belästigung Unterstützung bekommt.

  Büro für Gender und Diversity der  FAU Erlangen-Nürnberg

Ansprechpartnerin: Dr. Imke Leicht

Bismarckstraße 6

91054 Erlangen

Telefon: +49 9131 85-26984, -22951

gender-und-diversity@fau.de

www.gender-und-diversity.fau.de

von Amrei Wesinger