Bib-Leute, die jeder kennt

Alle Jahre wieder kommt die Zeit, in der gefühlt halb Erlangen zur Hauptbibliothek pilgert. Die Rede ist von der Prüfungsphase.

 

Samstag morgens kurz vor 10 versammelt sich dann regelmäßig eine Menschentraube vor den Toren der Bib, als ob es sich um ein Rockkonzert handelt, bei dem jeder in der ersten Reihe stehen will. Sobald die Türen öffnen, drängelt die Masse ins Innere des Lernpalastes, um sich die besten Plätze zu sichern.

Im ersten Moment freut man sich, sobald man einen Platz mit Tisch ergattert hat. Nicht zu hell, nicht zu dunkel, nicht im kalten Lesesaal und nicht zu weit von der Toilette weg, aber trotzdem weit genug vom Eingang, damit es nicht zu laut wird… Perfekt!

Doch wem ging es nicht schon mal so… Sobald sich die erste Hektik gelegt hat und man sich seine Tischnachbar*innen genauer angeschaut hat, stellt man fest: Mist, schon wieder neben einem dieser nervigen Bib-Leute gelandet, die jeder kennt!

Sonntagmorgen (!) um 10 vor der Hauptbibliothek in der Schuhstraße. Foto: Sabrina Ahmed

 

Die Mediziner*innen-Gang:

Die Mediziner*innen-Gang ist vielleicht vom Nervigkeitsgrad noch ertragbar, dennoch kann die Beobachtung der Gruppendynamik sehr ablenkend wirken. Die Mediziner*innen-Gang ist eine Gruppe von Medizinstudierenden, die immer in der gleichen Ecke ihr Lager aufschlägt und praktisch das komplette Jahr über in der Bib anzutreffen ist. Sie kennzeichnet sich dadurch, dass alle diese super schweren und wichtig aussehenden Medizinatlanten auf dem Tisch liegen haben.

Die Gruppe hält stehts zusammen und hat erfolgreiche Mechanismen zur Arbeitsteilung entwickelt, um den Stammplatz zu verteidigen. Es gibt die, die morgens früh aufstehen, um den Platz zu sichern. Dabei wird überall etwas auf die Tische gelegt, um zu signalisieren: Hier ist besetzt! Pause wird in Schichten gemacht. Ein Teil der Gruppe geht Mittag essen, während der andere Teil Wache hält und die Parkuhren ihrer Mitstudierenden gegebenenfalls umstellt, sollten diese ihre Stunde Mittagspause überziehen.

Danach wird gewechselt. Somit bleibt der Stammplatz der Mediziner*innen-Gang gesichert und das Einschleichen von Fremden verhindert. (Diese Taktik muss nicht zwingend nur von Mediziner*innen umgesetzt werden, sondern ist auch bei anderen Studierenden beliebt.)

 

Das Faultier:

Zu diesem Bib-Typen ist nicht viel zu sagen. Denn er oder sie macht nicht viel. Er oder sie liegt einfach nur stundenlang mit dem Kopf auf dem Tisch und schläft. Oder entspannt. Oder wiederholt vielleicht Gelerntes im Kopf mit geschlossenen Augen? Man weiß es nicht, doch sehr produktiv sieht es zumeist nicht aus.

 

Der/die Ablenker*in:

Diese Person sitzt meistens schräg in der Reihe vor einem, hat einen Laptop oder ein Tablet dabei und benutzt dieses für alles Mögliche, ausgenommen zum Lernen. Es werden Serien geschaut, YouTube-Clips angeklickt, Spiele gespielt. Man selber ertappt sich immer wieder dabei, wie man sich ablenken lässt und selber anfängt, den laufenden Film mitzuverfolgen und sich im Kopf eigene Dialoge auszudenken, anstatt fleißig zu lernen.

 

Der/die Gemütliche:

Tatsächlich scheint dies ein neues Trend-Phänomen in der Bib zu sein. Grade am Platz angekommen, werden erstmal die Schuhe ausgezogen und Kuschel-Socken angezogen. Dann macht es sich der/die Gemütliche im Schneidersitz auf dem eher unbequemen Holzstuhl gemütlich. Fehlt nur noch der Kräutertee und das Räucherstäbchen und man könnte meinen, im Meditationskurs gelandet zu sein.

 

Ich selbst zähle mich zur größten Gattung der Bib-Leute: Die Prokrastinierer*innen.

Ich weiß ganz genau, was ich alles bis wann lernen muss, dank meines strammen Lernplans. Trotzdem sitze ich hier im Lesesaal, lasse ich mich von genannten Bib-Typen ablenken und schreibe diesen Text für das Studimagazin, anstatt meine To-Do-Liste abzuarbeiten. Aber naja, am Ende sind wir alle nur Studierende, die sich in der schlimmsten Zeit des Semesters an den kleinen Freuden im Bib-Alltag amüsieren.

In diesem Sinne: Viel Glück an alle Leidensgenoss*innen für die kommenden Prüfungen und Hausarbeiten und lasst euch nicht zu sehr ablenken 😉

 

Von Sabrina Ahmed