The Performing Body – Movement and Voice: ein Bericht

Mit geschlossenen Augen sitzen, stehen und liegen die zahlreichen Teilnehmer verteilt in einem Raum, der kurz zuvor noch mit Tanzboden ausgelegt worden ist. Wir atmen. Nehmen wahr, wie wir heute atmen. “Daran müssen wir nichts ändern.”, sagt Workshop-Leiterin Evangelia Kolyra. Es ist okay so.

Dann bewegen wir unseren Kopf, dann unseren Oberkörper, unser Becken, Arme, Hände, Oberschenkel, Waden, Knöchel, Füße. Irgendwann lösen wir uns vom Boden, füllen den Raum immer mehr mit Bewegung. Dann kommen die ersten Geräusche: Wir atmen mit der Bewegung. Neben dem Rascheln von Kleidung sind jetzt noch Hauchen, Seufzen und Zischen zu hören. „Relax your jaw, so the breath flows easier“, meint Evangelia immer wieder. Sie sagt uns, wir sollen uns von unserer Neugier leiten lassen – wenn wir etwas Neues, Interessantes gefunden haben, das unser Körper kann, würdigen wir es und lassen uns zur nächsten Bewegung weiterziehen. Wenn wir merken, wir stecken fest in alten Routinen, bekannten Bewegungsmustern, würdigen wir es und lassen uns weiterziehen.

Foto: Julia auf der Maur

Warum ich mich nicht direkt darauf eingestellt habe, viel zu schwitzen, ist mir jetzt ein Rätsel. Immerhin ist das hier ein Tanzworkshop. Und das war bloß das Warm-Up.

Foto: Julia auf der Maur

Wir kombinieren unsere Bewegungen jetzt mit jedem Geräusch, das gerade aus uns heraus will, zuerst allein, dann mit Impulsen aller anderen. Die Frage, die sich dabei wiederholt stellt ist: Generiert die Bewegung das Geräusch, oder das Geräusch die Bewegung? Die Kommentare der Workshop-Teilnehmer fallen dazu unterschiedlich aus, manche sagen so, die anderen so. Bei einigen entstehen beide gleichzeitig.

Dann verbinden wir „Cells“ und „Particles“. Eine einzige unserer zahlreichen Körperzellen – wir wissen natürlich genau, welche, denn wir suchen sie uns aus – will sich unbedingt mit einem Partikel, einem frei wählbaren Ort in der Luft, im Raum, verbinden. Sie können dabei aufeinander prallen wie eine Melone auf Beton oder sich sanft stupsen, ganz egal. Haben sie sich gefunden, wählen wir eine neue Zelle, und ein neues Partikel. Um das Ganze zu vereinfachen, sagen wir dazu „this“. „This cell, and this particle“, die gehören zusammen, sozusagen. Dabei spielen wir mit Tempo und Volumen. Meine Bewegungen werden manchmal eher zu abgehacktem Zucken, weil sich Zelle und Partikel so schnell finden und verbinden wollen.
Wir lernen, wie wir „gibberish“ reden. Als ob wir sprechen wollten, aber unser Mund das tut, was er will, bewegen wir uns in Zweierpaaren von einer Seite des Raums zur anderen und unterhalten uns dabei, jeder mit seinem eigenen Kauderwelsch. Es ist erstaunlich, dass wir uns trotzdem sehr gut verstehen können.

Foto: Julia auf der Maur

Zum Schluss entspannen wir uns und geben uns in Paaren eine Runde „pulling and rocking“. Wir strecken, kneten und schaukeln den Körper unseres Partners, bis er so locker ist, wie er nur sein kann.

Beim Verlassen des Workshop-Raums will ich erstmal nur eins: ein großes Glas kühles Wasser und etwas zu Essen. Trotzdem habe ich etwas Wichtiges gelernt heute – manchmal ist die Frage weniger, „Wo will ich meinen Körper hinhaben?“, sondern eher „Wo will mein Körper mich hinhaben?“

 

 

Von ARENA/Svenja Plannerer

Die Festivalzeitschrift von Arena… of the young arts, das diese Woche stattfindet, erscheint auf unserem Onlineblog. Ihr lest alle Artikel hier.