Schneekönigin, oder doch nicht?

“Schneekönigin” heißt das neue Stück der Studiobühne Erlangen. Man könnte meinen, hier eine weitere Neuauflage des Märchenklassikers von Hans Christian Andersen serviert zu bekommen; aber nein, so einfach ist es nicht.

 

Jeder hat sie schon einmal gehört: Die Geschichte von Gerda, die ihren Freund Kay sucht, der von der Schneekönigin entführt wurde, und zu Anfang der knapp fünfzig-minütigen Inszenierung glaubt man auch, diese Geschichte erzählt zu bekommen.
Als Zuschauerin tauche ich in eine eisige Kulisse ein. Vielleicht eines der Zimmer im Winterschloss der eiskalten Königin? Aber dann kommt es doch ganz anders. Die drei Darsteller*innen, die ich mir als Gerda, Kay und die Schneekönigin erdacht hatte, waren…eine Person? …doch Gerda, Kay und die Eiskönigin? Und war da nicht doch ein Hauch der eigentlichen Geschichte?

Doch während ich rätsle, während ich versuche, das Konstrukt einer Geschichte mit einem Anfang und einem Ende in meinem Kopf zu bauen, schreien die Darsteller*innen vor Schmerz, Verzweiflung, Kälte, Eiseskälte und wiegen sich im Nicht-Vergessen schönerer Tage. Immer lauter wird der Wind und das Knacken des Eises…

Mit „Schneekönigin“ ist Regisseurin Nadine Raddatz eine außergewöhnliche Verflechtung der Symbolik des Andersen-Märchens und einem Ausdruck von Suche, Verlust und Schmerz gelungen, die die drei Darsteller*innen mit Herz, Seele und Authentizität realisiert haben. Ein sehr sehenswertes Stück, das einen ratlos zurücklässt, sich aber im Nachwirken zu einem ganz eigenen Puzzle zusammenfügt.

 

Von Joana Hammerer

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„Schneekönigin“ wird noch heute und morgen im Logenhaus Erlangen aufgeführt.

Einlass: 19 Uhr, Beginn: 19:30 Uhr

Mit: Lars Eberhard, Marion Langholf, Miriam Poth
Text: Levin Handschuh
Technik: Florian Spiecker, Tobias Winklmüller