Studis müssen liefern, Uni hat Corona

Unsere Chefredakteurin Carla ist genervt, weil Corona für alles, was an der FAU nicht läuft, als Ausrede dient. Ein Wutanfall in der Bib.

 

Eines der Dinge, die mir klargemacht haben, dass es mit der Covid-19-Pandemie ernst wird, war die Komplettschließung der Universitätsbibliothek ab dem 14. März, angekündigt am Freitag, den 13. März. Die Schließung – wie sehr viele andere Maßnahmen – war zu dem Zeitpunkt absolut richtig und verständlich. Niemand wusste, wie mit der Pandemie umgegangen werden kann. Es war goldrichtig, erst einmal mit allen Mitteln die Infektionszahlen einzudämmen und Leben zu retten.

Irgendwann wurde unter anderem die Hauptbibliothek in Erlangen wieder vorsichtig zum Ausleihen von Büchern geöffnet, ungefähr zeitgleich auch die im Juridicum – hier mit der Möglichkeit, mit einer Sitzplatzreservierung auch wieder dort arbeiten zu können. Ich war erstmal sehr beeindruckt, als ich mir wieder die ersten Bücher in die Hauptbib bestellt habe, und plötzlich vor digitalen Ausleihgeräten stand. Digitalisierung ist für mich als langjährige FAU-Studentin ein ungewohnter Anblick.

Ich hatte geplant, ab Mitte März meine Hausarbeiten zu schreiben. Mit der Literaturrecherche hatte ich gerade erst ein bisschen angefangen, als plötzlich alle Bibs zu waren. Ich schreibe Hausarbeiten immer in der vorlesungsfreien Zeit. Dann kann ich mich auf ein Thema konzentrieren und am Stück schreiben, wie es auch von den Dozent*innen gedacht ist.

Nun musste ich  das während der neuen Vorlesungszeit (in der wir Studis ja alles irgendwie normal wie immer schaffen sollen) auch noch nebenher machen. Und ich war noch froh, dass bei mir keine coronabedingt abgesagten Klausuren kurz vor der neuen Prüfungsphase mitten in der Vorlesungszeit (und oft kurzfristig angekündigt) nachgeholt wurden, wie das bei sehr vielen Kommiliton*innen der Fall war.

Dies sind nur Beispiele, was wir Studis alles hinkriegen sollen. Und die Uni, was kriegt die hin und wo unterstützt sie uns?

Öffnungszeiten der Hauptbibliothek im September 2020. In der Spiegelung die alte UB und FAU-Fahnen. Foto: Carla Ober

Die Hauptbibliothek steht mit ihren Lernplätzen zur Zeit von 9 – 20 Uhr in zwei Schichten zur Verfügung. Auch nur zu diesen Zeiten können bestellte Bücher abgeholt werden. Montag bis Freitag. Nicht einmal Samstag. Gleiches gilt für die Tech-/Nat-Fak-Bibliothek und die WISO-Bibliothek in Nürnberg [1]. Die Sitzplätze in der Hauptbib sind fast immer alle ausgebucht – nicht überraschend, wir müssen ja alle für unsere Klausuren lernen und Hausarbeiten oder Abschlussarbeiten schreiben. Wie immer, Corona hin- oder her. Nach 20 Uhr gibt es einen kleinen Run auf die Jurabib, die bis 23:45 geöffnet hat und – oh Wunder! – sogar samstags.

Was ist die Begründung dafür, dass die Öffnungszeiten und Ausleihzeiten nicht wieder erweitert werden können? Vor der Pandemie war die Hauptbib bis 24 Uhr geöffnet, auch in der vorlesungsfreien Zeit. Unter den bestehenden Hygieneregeln gibt es keinen Grund, die Öffnungszeiten nicht wieder zu erweitern, sowie samstags und sonntags zu öffnen – die Konzentration von Menschen würde sogar entzerrt.

Dass es geht (warum auch nicht) zeigt die Uni Bamberg, wo es übrigens vor Corona –  anders als in Erlangen – mehrere Bibliotheken mit 24/7-Öffnung gab und auch jetzt die Öffnungszeiten deutlich besser sind: In 3 Bibliotheken samstags und sonntags, in einer weiteren Bibliothek 24/7 [2].

Ich finde es fast traurig, dass ich sogar eine 24/7-Öffnung befürworte (bin nicht gerade Fan von “Leistungsgesellschaft”), aber weiß leider, dass diese in Bamberg genutzt wird – ich Nachteule würde wahrscheinlich zu den Nutzer*innen gehören – und flexible Zeiten für viele Studis einfach nötig sind. Es haben nicht alle ein ruhiges Zimmer, in dem sie zu Hause konzentriert arbeiten können. Bewerkstelligen müssen wir unsere Aufgaben – und viele währendbei noch Nebenjobs – dennoch.

Verbesserte Öffnungszeiten würden sicher ein paar HiWis mehr beschäftigen. Das würde in der aktuellen Wirtschaftskrise, in der gerade Studierende ihre Nebenjobs – oft von ihnen komplett abhängig – ganz verloren haben, nicht schaden!

Besonders nörgeln muss ich noch als Studentin eines kleinen Faches: Wir sind bei unserer Literaturrecherche auf die kleinen Teilbibliotheken angewiesen. Ihre Literaturbestände können nun teilweise (und kompliziert) entliehen werden, indem sie bestellt und in einer Teilbibliothek, der sie zugeteilt wurden, abgeholt werden. Diese haben dann zu Öffnungszeiten wie 10-15 Uhr auf, was dieses Semester auch während der Vorlesungszeit so war: Besonders, wenn Seminare online statt finden, und wir Studis nicht vor Ort am Institut sondern zu der Uhrzeit eben zu Hause vor dem Laptop sitzen müssen, wann und wie sollen wir die bestellten Bücher abholen können? Als Erlangerin war das für mich schon kaum machbar. Viele wohnen nicht einmal in Erlangen und könnten nach einem Online-Seminar “noch schnell rüber”, um ein Buch auszuleihen.

Andere Teilbibliotheken sind weiterhin komplett geschlossen oder nur nach Terminfindung per E-Mail zugänglich. Ich war begeistert, dass nach Jahren, die uns die Möglichkeit zur Ausleihe von Büchern der Orientalistikbibliothek versprochen, aber nie endlich ermöglicht wurde, nun DIGITAL bestellbar und ausleihbar sein sollten.

Aber: Bei inzwischen etablierten Einschränkungen und einem besseren Verständnis des Infektionsgeschehens könnten die meisten Teilbibliotheken wieder geöffnet werden. Dann wäre es auch wieder möglich, die Regale zu durchforsten, statt nur im OPAC nach Literatur zu recherchieren. Unsere Hausarbeiten sollen ja so gut wie immer sein, wir müssen liefern – und die Uni hat Corona.

 

PS: Wo sind eigentlich die Steckdosen in der Hauptbib, deren Finanzierung, nachdem die Uni nichts tut, die Stuve vor einem knappen Jahr mit einem Critical Run organisiert hat? Wie soll ich meine Hausarbeit, wenn mein Akku nach 3 Stunden leer ist, ich aber noch weniger als vor Corona mal eben woanders in der Bib eine Steckdose suchen kann, schreiben? Besitze leider keine Schreibmaschine.

—> Wenn ihr nach diesem Wutausbruch etwas weniger ernstes lesen wollt, können wir euch Sabrinas Analyse unterschiedlicher Bibmenschen sehr empfehlen: Bib-Leute, die jede*r kennt.

Edit vom 03.09.2020, 20:22 Uhr: Auf Facebook hat uns eine Antwort der Universitätsbibliothek mit interessanten Informationen erreicht, für die wir uns freundlich bedanken: “Die UB plant ab dem 12. Oktober zu den alten Öffnungszeiten zurückzukehren – bitte verfolgen Sie in der nächsten Zeit unsere Website und die Social Media Kanäle. Wir freuen uns, dass die Selbstbedienungs-Automaten in der Hauptbibliothek und TNZB so gut ankommen! Die Steckdosen in der Hauptbibliothek machen uns schon seit über einem Jahr Kummer. Das Staatliche Bauamt hat uns mehrfach informiert, dass bisher kein Elektroplaner gefunden werden konnte.

 

Von Carla Ober

[1] https://ub.fau.de/2020/08/05/die-universitaetsbibliothek-in-der-vorlesungsfreien-zeit/ [abgerufen am 28.08.2020]

[2] https://www.uni-bamberg.de/ub/corona/ [abgerufen am 28.08.2020]