Jeden zweiten Tag ein Beziehungsmord?

Das Adbusting-Kollektiv AdbustingArt hat am 8. März, dem Weltfrauentag, auf seine Art auf Femizide aufmerksam gemacht. Lest hier Fakten zu Femiziden in Deutschland und schaut euch Bilder der Kunst-und-Protest-Aktion an.

 

Am Weltfrauentag ist es vielerorts üblich, seiner Partnerin Blumen zu schenken. Oft hört der Feminismus dann aber auf. Die brennenden Probleme vieler Frauen in Deutschland werden am achten März genauso ignoriert wie an den 364 anderen Tagen des Jahres. Ein Beispiel: Beziehungsmorde.

2019 wurden in Deutschland mehr Frauen von ihren Partnern getötet als jemals zuvor. Die Tendenz steigt seit Jahren. Im Schnitt ermordet beinahe jeden Tag ein Mann eine (Ex-) Partnerin. Dabei spiegelt die Statistik nur die angezeigten und verurteilten Taten wider. Der überwiegende Anteil der Täter ist deutsch, männlich und Mitte 30, so das Bundeskriminalamt. „Dabei geschieht so ein Mord nicht von heute auf morgen“, meint Theresa Beutlin (Nachname geändert), Sprecherin der Gruppe AdblockArt. „Das ist oft der blutige Höhepunkt einer jahrelangen Eskapade von Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung.“ Häusliche Gewalt beginne mit Beleidigungen, Demütigungen und der Schaffung von Abhängigkeiten. „Die Täter zerstören das Selbstwertgefühl des Opfers. Ziel ist, dass sich die Frau ohne ihren Partner wertlos fühlt.“ Auch materielle Abhängigkeiten können zum Problem werden. Wer kein eigenes Auto oder Einkommen hat, ist weniger geneigt, die Beziehung zu beenden. Eine ähnliche Strategie kann sein, das Opfer zu isolieren. Aus Eifersucht werde der Partnerin der Kontakt zu Freund:innen verboten. Die Opfer fühlen sich allein und haben niemanden, an den sie sich wenden können.

Auch außerhalb von Beziehungen kommt es zu Femiziden, wenn Expartner aus Eifersucht handeln. „Die Beziehung nur zu beenden schützt also nicht immer ausreichend. Deshalb ist es wichtig, bei ersten Anzeichen zu handeln“, führt Beutlin aus. Betroffene können sich in Frauenhäusern beraten lassen und im Ernstfall Zuflucht suchen. Diese sind jedoch oft überfüllt und unterfinanziert. Deutschlandweit gibt es 16.000 Plätze für Frauen und Kinder in Not. Nötig wäre die doppelte Menge. Frauenrechtler:innen betonen, dass mehr Frauenhäuser, Finanzierung und Aufmerksamkeit zwar helfen würden, das grundsätzliche Problem aber nicht lösen könnten. „Im Kern braucht es ein Umdenken unter Männern“, so Theresa Beutlin. „Sie müssten reflektieren, ob und inwieweit ihr Umgang mit ihren Partnerinnen angemessen ist.“ Ziel aller solle sein, dass solches Verhalten in den Anfängen erkannt und unterbunden werde.

Du bist betroffen oder möchten helfen? Mehr Informationen gibt es unter https://www.frauenhaus-erlangen.de/

 

Text & Bilder vom Kollektiv AdbustingArt

 

Quellen für weitere Informationen und Angaben im Artikel:

Bundeskriminalamt Partnerschaftsgewalt:

https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/Partnerschaftsgewalt/Partnerschaftsgewalt_2019.html;jsessionid=134EDA63913C3119F43F6A052F587540.live0612?nn=63476

DW Gewalt gegen Frauen, u.a. Interviews mit Frauenrechtsgruppen

https://www.dw.com/de/gewalt-gegen-frauen-mehr-femizide-in-deutschland/a-55562981

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