Filmkritik Star Wars: Die letzten Jedi

„Star Wars: Die letzten Jedi“ ist der neunte Kinofilm der Science-Fiction-Saga und der dritte Film der Reihe unter dem Disney-Label.

 

Der Film schließt nahtlos dort an, wo „Das Erwachen der Macht“ endet: Rey erreicht Luke Skywalker und reicht ihm sein Lichtschwert, in der Hoffnung, ihre Ausbildung bei ihm zu beenden. Doch Luke Skywalker ist ein verbitterter, desillusionierter Mann geworden. An den strahlenden Jedi-Ritter der „Ur-Trilogie“ erinnert nur noch sein Name. Derweil wird der Widerstand erbittert von der ersten Ordnung gejagt und bekämpft. Hierbei erfahren wir einiges über die gemeinsame Vorgeschichte von Kylo Ren und Luke, welche letztendlich in einem spannenden Showdown am Ende des Films mündet…

“Star Wars: Die letzten Jedi” ist ein höchst unterhaltsamer Film, der alles bietet, was man von einem Star Wars-Film erwarten kann. Beeindruckende visuelle Effekte, Lichtschwertkämpfe und Weltraumschlachten gepaart mit Elementen eines Familiendramas. Der Film besticht dabei insbesondere durch seine herausragende Optik und der beeindruckenden Bildaufnahmen von Steve Yedlin. Die Filmmusik von Oscar-Preisträger John Williams („Indiana Jones“, „Superman“) ist auf dem gewohnt hohen Niveau der vorangegangenen Star Wars- Episoden. Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson überspannt jedoch mit seiner Geschichte etwas den Bogen. Im letzten Drittel geht dem Film etwas die Puste aus, hier folgen zu viele Höhepunkte aufeinander, sodass der Film am Ende etwas langatmig erscheint.

 

Charakter Darth Vader bleibt unerreicht

Bei den Darstellern ist besonders Adam Driver in der Rolle des Kylo Ren hervorzuheben. Sein Spiel eines emotional zerrissenen Charakters gelingt überzeugend. Die Figur des Kylo Ren leidet jedoch unter dem obligatorischen Vergleich mit Darth Vader, einem der wohl größten Filmbösewichte aller Zeiten. Die Intensität und Ausstrahlung eines Darth Vaders erreicht die Figur des Kylo Ren zu keiner Zeit.

Hauptdarstellerin Daisy Ridley in der Rolle der „Rey“ bleibt erstaunlich eindimensional, die Motivation und Gefühle der Figur erschließen sich dem Zuschauer nicht wirklich. Ob dies eine Schwäche oder ein gewolltes Rätsel der Drehbuchautoren ist, wird möglicherweise im dritten Teil der Saga geklärt werden. Die Altstars Mark Hamill und Carrie Fisher (in ihrem letzten Leinwandauftritt) lösen ihre Aufgaben souverän.

 

Unterhaltsames Kino ohne philosophische Substanz

Filmtechnisch ist dem Film allgemein wenig Negatives entgegenzusetzen, jedoch machen sich kreative Mängel bemerkbar. Während die zwei vorangegangenen Trilogien von Schöpfer George Lucas komplett unabhängige Wege von einander gegangen sind, fehlt es der neuen Disney-Trilogie an jener Originalität und Innovation.

Bereits „Das Erwachen der Macht“ war stark an „Eine neue Hoffnung“ (dem ersten Star Wars-Film) orientiert, weshalb einige Filmkritiker bereits den Begriff Remake nutzten. Dies wiederholt sich bei „Die letzten Jedi“. Hier werden einige Handlungsstränge vom zweiten Star Wars-Kinofilm „Das Imperium schlägt zurück“ übernommen. War es in diesem Film Luke Skywalker, der den verschollenen Jedi-Meister Yoda aufsuchte, um seine Ausbildung zu beenden, ist es im neuem Film Rey, welche Luke Skywalker aus selbigem Grund aufsucht. Doch obwohl der Film viel Altbekanntes enthält, gehen die Macher auch neue Wege. Star Wars-Jünger können sich auf neue „Macht-Fähigkeiten“ und intergalaktische Lebensformen freuen.

Wer unterhaltsames Popcorn-Kino sucht, liegt mit „Star Wars: Die letzten Jedi“ genau richtig. Wer sich hingegen nach anspruchsvollen Science-Fiction-Filmen mit philosophischem Hintergrund sehnt, ist mit Filmen wie „2001: Oddysee im Weltraum“ oder „Interstellar“ besser beraten.

 

Von Wolfram Biskup