Die Identitätskrise der Deutschen: A Never Ending Story

Gehört der Islam zu Deutschland – oder nicht? Gehören Kreuze in Staatsbehörden – oder nicht? Ist es ok, wenn türkischstämmige Fußballspieler der deutschen Nationalmannschaft ein Bild mit dem türkischen Präsidenten machen – oder nicht?
Sie ist zurzeit dauerhaft und an allen Ecken zu spüren: Die Identitätskrise der Deutschen.

 

Allgegenwärtig schleichen sich die Fragen in öffentliche Debatten und in die Köpfe der Deutschen. Wer sind wir? Was macht Deutschland aus? Welche Werte vertreten wir als Gemeinschaft? Welche Werte können neu integriert werden und welche nicht? Antworten auf diese Fragen scheint keiner zu haben.

Politiker versuchen mit ihren populistischen Ausrufen die Frage nach der deutschen Identität zu klären und ihre Gegner auszustechen, indem sie immer dramatischer und exklusiver erklären, was zu Deutschland gehört und was nicht. Doch wirklich zufriedenstellend ist das auch nicht. Aber warum ist die Identitätsfindung für Deutsche so schwierig?

Ich habe durch meine langjährigen Beobachtungen und Erfahrungen schon in der Grundschule festgestellt, was das Problem in Deutschland ist. Mein Vater kommt aus Ägypten, meine Mutter aus dem Norden Deutschlands (noch nördlicher als Hamburg, also dem wirklichen Norden! ;D) und ich selber bin in München geboren und aufgewachsen. Nicht selten kam es vor, dass ich die bayerischen Anweisungen der Lehrer nicht verstand. Ich kann mich noch ganz klar erinnern an eine Situation im Matheunterricht, Thema: Geometrie.

Lehrer: „Dann miassn mia a Buidchn moin“, ich: „Ein WAS soll’n wir machen?“, genervte Mitschüler: „Ein Bild malen, man Sabrina!“

Wegen meiner unzureichenden Bayrischkenntnisse und auch sonst komischer Sprachangewohnheiten (DIE Butter, DER Teller, DAS Kaugummi), musste ich mir so einige Kommentare anhören und mich oft verteidigen, dass ich eben kein dummer Fischkopf aus dem Norden bin. Im Gegenteil dazu hatte ich in den Sommerferien bei meinen Großeltern im norddeutschen Dörflein alle Hand damit zu tun, Plattdeutsch zu verstehen und die dummen Batzis aus dem Süden zu verteidigen.

Und der Spuk hört nicht auf. Nun studiere ich in Franken und kriege ständig zu hören: „Frangn is ned Bayern!“

Also, da haben wir den Salat. Die Deutschen selber haben viel zu viele Identitäten. Wie ein Mosaik teilt sich die Landkarte in verschiedene Regionen und Kreise und jeder hält sich selber für ‘was ganz Besonderes. Ob Norden oder Süden, Ossis und Wessis, Berliner Schnauze oder Schwabe. Es gibt keine einheitliche Identität. Jeder sieht sich einer anderen Gruppe zugeordnet und ist stolz darauf, hebt sich mit Absicht von anderen ab. Bei so viel absichtlicher Abgrenzung kann es ja gar keine gemeinsame Deutsche Identität geben. Vielmehr gibt es viele einzelne Identitäten, wobei ich mir auch nicht sicher bin, ob diese wirklich sagen können, was ihre spezielle Gruppe nun ausmacht und wer zum Club gehört und wer nicht.

Vor Kurzem hatte ich auf einem Fußballplatz die Möglichkeit, eine sehr angeregte Diskussion zu belauschen. Thema: Wer denn die wahren Franken sind – FCN- (Clubberer) oder Greuther Fürth-Fans? Na und wer hätte das gedacht, die beiden Fans waren sich nicht einig.

Kein Wunder, dass bei so viel Uneinigkeit keine gemeinsame Identität entstehen kann. Und das dann auch niemand die Fragen beantworten kann, ob nun Muslime dazu zählen oder ob Deutschland christlich-jüdisch geprägt ist. Doch eine Sache fasziniert mich bis heute: meine ägyptischen Wurzeln waren nie ein Problem in meiner Kindheit. Es wurde einfach akzeptiert, dass ich Halb-Ägypterin bin. Immer nur auf dem norddeutschen Blut in mir wurde rumgeritten… Das passte einfach nicht nach Bayern 😉.

 

Von Sabrina Ahmed