Hochschulinitiative: Das Referat AntiDisRa

Dieses Interview wurde im Februar 2019 für die Sommersemester-Printausgabe geführt und in dieser nicht veröffentlicht – das Referat AntiDisRa hat sich inzwischen leider mangels Aktiver aufgelöst. Wir wollen dieses Interview nun dennoch veröffentlichen. Vielleicht finden sich ja unter euch Aktive, die das Referat wiederbeleben möchten 😉 Diese können sich bei Interesse an stuve-queer@fau.de wenden.

 

Das “AntiDisRa” (Gegen Diskriminierung und Rassismus) ist ein Referat der Studierendenvertretung (Stuve) an unserer Uni. Wir haben mit Flo gesprochen, der das Referat AntiDisRa 2014 mitgegründet hat.

V: Hallo Flo, wie kam es dazu, dass ihr 2014 das Referat AntiDisRa gegründet habt?

Flo: 2014 / 15 kamen ja gerade viele Geflüchtete nach Deutschland. Ich war damals im Konvent und wir wollten Geflüchtete dabei unterstützen, an unsere Uni zu kommen und hier studieren zu können.
Wir haben dann auch als erstes gemeinsam mit der FAU das Tandemprojekt aus dem Boden gestampft. Dabei geht es darum, dass die Geflüchteten die Sprache lernen können und Kontakte zu anderen Studierenden an der Uni kriegen. Wir wollten auch bei anderen Problemen und Hürden helfen, zum Beispiel haben viele Geflüchtete ihre Dokumente von z. B. ihrem Schulabschluss nicht mehr.
Inzwischen ist das zum Glück ein richtiges Projekt, was allein vom Referat für Internationale Angelegenheiten der FAU durchgeführt wird und wir müssen das nicht mehr ehrenamtlich machen.

 

V: Was macht ihr außerdem oder was waren eure bisherigen Projekte?

Flo: Wir haben am Anfang auch einen virtuellen Kummerkasten gebaut, an den uns Leute anonym schreiben und von Problemen mit diskriminierendem Verhalten an der Uni schreiben konnten. Wir haben uns dann um diese Probleme gekümmert. Leider ist der Kummerkasten inzwischen deaktiviert.

2017 haben wir ein buntes Sommerfest organisiert, gegen den Zwischentag (Messe der neuen Rechten in der Burschenschaft Frankonia) in Erlangen. Da waren wir am Bürgermeistersteg, damit die uns auch gut hören können.

Wir haben – auch 2017 – ein Theaterstück mit Geflüchteten über Flucht, das Ankommen in Deutschland, das Erlernen der Sprache und die Probleme, die sich hier für Geflüchtete ergeben, veranstaltet.

Im Moment organisieren wir eine Ausstellung namens “Frauen.Bilder.Weiterdenken”, die sich mit Frauen in Erlangen beschäftigt und zeigen will, dass Erlangen nicht nur männlich-weiß ist. Wir zeigen Fotos, die wir von vielen tollen Frauen, die vieles tolles in Erlangen auf die Beine stellen, gemacht haben. Dazu werden immer kleine Interviews gezeigt. Es sind alles Frauen, die wir auf der Straße getroffen haben, aber darunter sind natürlich auch bekannte Gesichter wie Ladenbesitzerinnen, Stadträtinnen oder Uniprofessorinnen.
Im Rahmen der Veranstaltung werden auch Redner*innen zu Empowerment sowie Zusammenhalt und Solidarität unter Frauen vortragen.

 

V: Wann wird es die Ausstellung zu sehen geben?

Flo: Die Ausstellung wird am 8.5.2019 um 18:30 in der Stadtbibliothek eröffnet und dann vom 9.5. bis zum 4.6. dort zu sehen sein. Danach wird sie auch noch in der Unibib, dem Rathaus und dem Uniklinikum zu sehen sein. Eigentlich wollten wir die Ausstellung letztes Jahr schon machen, aber dann haben wir gemerkt, wie viel Arbeit das ist und wie wenige wir sind. [Aktuelle Information dazu: Die Ausstellung ist noch bis 16. August in der Universitätsbibliothek und anschließend noch in der Neustädter Kirche und im Rathausfoyer zu sehen. Infos gibt’s hier. https://www.fau.de/2019/04/news/veranstaltungen/wanderausstellung-frauen-bilder-weiterdenken/]

 

V: Apropros wenige, ich habe gehört, dass ihr ein kleines Nachwuchsproblem habt.

Flo: Ja, wir sind gerade leider nur 4 oder 5 Leute, 3 aktiv, und hören jetzt alle auf, weil wir unser Studium beenden oder ins Ausland gehen. Ich bin mit meinem Verfahrenstechnik-Studium jetzt auch so gut wie fertig. Wir würden uns also sehr über Nachwuchs freuen! Interessierte können uns am besten an stuve-antidisra@fau.de [Aktuelle Info: besser an stuve-queer@fau.de schreiben] schreiben, da wir uns aktuell nicht regelmäßig treffen. Ohne Nachwuchs gäb’s uns sonst demnächst nicht mehr wirklich, nur noch das Queer-Referat. Klar, so ein Engagement ist anstrengend, aber es lohnt sich, man kann richtig coole Projekte auf die Beine stellen! Ich war seit 2014 eigentlich immer irgendwo im Stuve-Kontext unterwegs und aktiv und kann das nur empfehlen!

 

V: Bei vielem, was ihr macht oder gemacht habt, muss ich an die Diversity Scouts der Uni denken. Wie findest du die?

Flo: Generell sehr gut! Und ja, sie machen ähnliche Dinge wie wir. Sie haben auch – wie wir beziehungsweise die Stuve generell – das Problem, (noch) recht unbekannt zu sein [Anm. der Red.: Ein Interview mit Scout Florentine vom Januar findet ihr auf unserer Webseite]. Ich glaube, dass das ein sinnvolles Projekt ist und hilfreich, da die das professionell machen können und nicht ehrenamtlich, wie wir.

V: Vielen Dank für das Interview!

 

Das Interview führte Carla Ober