Menschliche Feuermelder*innen und Einsturzgefahr im Kollegienhaus?

Wer diese Woche schon mal im Kollegienhaus war, hat sie schon gesehen. Wer (noch) nicht dort war, weiß es jetzt. Das Kollegienhaus in der Universitätsstraße hat eine neue Sehenswürdigkeit!

 

Das Kollegienhaus hat jetzt menschliche Feuermelder*innen. Nein, das ist kein Witz.

Pro Stockwerk hat die FAU nun zwei Menschen angestellt, die Alarm schlagen, wenn es brennt.

Denn: Das Kollegienhaus hat nach Aussagen von Dozent*innen keine fest installierten Feuermelder. Die Maßnahmen zum Brandschutz seien immer wieder nach hinten verschoben worden. Und nachdem das Fehlen der Feuermelder gegen geltendes EU-Recht verstoße, dachte sich die FAU wohl, dass es einfacher sei, Menschen anzustellen, die diese Aufgabe übernehmen könnten.

Wir haben nachrecherchiert: Feuermelder werden in einer EU-Richtlinie vorgeschrieben, die bei uns mit Artikel 46 Absatz 4 der Bayerischen Bauordnung (BayBO) umgesetzt wird. Eventuell ist dieses Gesetz aber gar nicht das Problem:

Wir haben für euch bei der Universität nachgefragt, ob es sich bei den im Kollegienhaus eingesetzten Personen um menschliche Feuermelder*innen handele und ob sich die Universität zum Vorwurf, die Einhaltung von EU-Recht hinausgeschoben zu haben, äußern möchte. In einer Stellungnahme, die aber auch über 24 Stunden nach unserer Kontaktaufnahme sehr vage bleibt, klingt es, als seien echte Feuermelder vorhanden und die Menschen aber wegen fehlender Fluchtwege angestellt:

Das Kollegienhaus verfügt als öffentliches Gebäude über eine Brandmeldeanlage, die den aktuellen Vorschriften entspricht. Bei den von Ihnen genannten Personen handelt es sich um sogenannte Brandwachen. Nicht alle Räume im Kollegienhaus verfügen neben der Haupttreppe über einen zweiten Flucht- und Rettungsweg, der im Falle einer Evakuierung in vorgeschriebener Entfernung zu erreichen ist und die entsprechenden Abmessungen für die potenzielle Anzahl an Menschen hat. Demnächst werden daher an der Außenfassade des Kollegienhauses provisorische Treppengerüste aufgebaut, die als Fluchtwege dienen werden. Hinzu kommt, dass […] an einigen Stellen Deckenverkleidungen entfernt wurden. Jedoch handelte es sich bei diesen Deckenverkleidungen um Brandschutzdecken

Wir haben die Pressestelle auch gefragt, was der Einsatz der Brandwachen kostet. Das könne die Universität uns nicht beantworten, umgeht sie die Frage, “da noch nicht feststeht, wann das Gebäude wirklich an die Fluchttreppenhäuser angeschlossen sein wird.

Ein Professor informierte seine Studierenden auch, dass die Decke im Kollegienhaus im Hörsaal KH 2.020 einsturzgefährdet ist und dieser deshalb nicht nutzbar sei. Im Univis heißt es zu dem Raum: “Aus Sicherheitsgründen gesperrt!!!” Auf konkrete Nachfrage, ob es stimme, dass der Raum einsturzgefährdet sei, antwortet die Universität: “Nachdem bedingt durch den baulichen Zustand des Kollegienhauses die Möglichkeit besteht, dass sich in bestimmten Räumen einzelne Deckenpaneele lösen könnten, hat die FAU in Absprache mit dem Staatlichen Bauamt Erlangen-Nürnberg zum einen in einigen Räumen Deckenverkleidungen teilweise oder ganz entfernen lassen, zum anderen – wo dies nicht möglich war – Räume vorsorglich sperren lassen.

 

Die Uni betont: “Der FAU ist natürlich daran gelegen, den Vorlesungsbetrieb möglichst reibungslos aufrechtzuerhalten. Die Alternative zu Brandwachen, der teilweisen Verkleidungsentfernung und der Sperrung einzelner Räume wäre gewesen, das komplette Gebäude zu sperren und Ersatzräume in der Innenstadt anzumieten.” Das sei nicht realisierbar gewesen. Die Uni sichert zu: “Die Sicherheit der Studierenden und Beschäftigten steht für die FAU stets an erster Stelle.” Und damit: Habt einen guten Semesterbeginn!

 

Von Anna Mina Morina und Carla Ober