Asiatische Tabus

Tabus in der westlichen Welt sind uns weitestgehend geläufig, aber wie sieht es mit asiatischen aus?

 

Alle, die schon einmal im Ausland waren und einer anderen Kultur begegnet sind, sind sicherlich mit fremden Verhaltensregeln oder Tabus konfrontiert worden. Tabus sind ein grundlegendes Thema interkultureller Kommunikation. Deswegen sollte man sich, um peinliche Momente oder sogar Streit zu vermeiden, lieber vorher mit den entsprechenden Gegebenheiten des Kulturgebietes, welches man besucht, vertraut machen.

Tabus des asiatischen Raumes, vor allem von China, zählen zu dem am meisten gegoogelten Suchbegriffen, wenn es um konformes und/oder unangebrachtes Verhalten geht. Dies deutet also darauf hin, dass es Einiges an Gesprächs- und Klärungsbedarf gibt, wenn es um die Tabus und Verhaltensregeln des größten Kontinentes der Erde geht.

Eine der wohl bekanntesten Verhaltensnormen aus Asien, welche man auch meistens z.B. aus Filmen oder dem Fernsehen kennt, sind die der Begrüßung. Trifft man auf mehrere Personen, wird der- oder diejenige mit dem höchsten Rang zuerst begrüßt. Mann beugt den Oberkörper nach vorne, mit meist gesenktem Blick. Ob die Hände vor dem Köper gefaltet bzw. verschränkt oder schlicht neben dem Körper liegen hängt von der Region ab. Jedoch tendieren tatsächlich immer mehr chinesische Geschäftsleute dazu auch die Hand zur Begrüßung zu geben. Gerät man in solch eine Situation und ist sich unsicher, wie man sich verhalten soll, sollte man am besten abwarten, wie sich die anderen anwesenden Personen begrüßen und sich daran orientieren.

In China und Japan werden – vor allem unter Geschäftsleuten – oft Visitenkarten ausgetauscht, dabei sollte man darauf achten, dass man diese mit beiden Händen übergibt und dabei seinen Namen nennt. Beim Erhalten dieser, sollte man sie eine Zeit lang zunächst in der Hand halten und durchlesen. Anschließend kann man diese wegpacken – aber keinesfalls einfach in der Hosentasche verstauen!

Natürlich lässt man sich auch nicht die kulinarische Vielfalt Asiens entgehen. Dessen Genuss sollte nicht vom Schlürfen oder Schmatzen der andern Restaurantbesucher verdorben werden, denn das Schlürfen und Schmatzen, welches in den europäischen Ländern als unangebracht und Tabu gilt, ist in den asiatischen Ländern ein Zeichen für den Genuss und die Qualität des Essens. Also: Laute Essgeräusche sind sogar erwünscht! Wenn man mit Stäbchen isst, ist zu beachten, dass man diese niemals senkrecht in das Essen stecken, sondern auf der Seite ablegen sollte, da die hochkanten Essstäbchen an ein Symbol des Todes erinnern.

Kommt man mit Einheimischen ins Gespräch, wäre es ratsam sich auch hier an den Verhaltens“regeln“ zu orientieren. Neben dem aufmerksamen Zuhören ist es in Asien normal nach jeden 2-3 Sätzen ,,Ja“ zu sagen oder zustimmend zu nicken. Macht man das nicht, signalisiert man damit Unhöflichkeit und Desinteresse. Sollte man die dort Ansässigen etwas fragen, muss man nicht unbedingt davon ausgehen, dass die Antwort zu hundert Prozent stimmt, denn Asiaten geben nur ungern zu, wenn sie etwas nicht wissen. Sie haben daher immer eine Antwort parat. Im Gespräch sollte man ebenso auf Kritik oder das Ansprechen bestimmter Themen verzichten, da es ein No-Go ist, wenn man kritische oder peinliche Themen wie etwa die Sexualität, Politik, Menschenrechte, Umweltverschmutzung, Geld usw. anspricht. Spricht man diese ‘unangenehmen’ Themen unwissend an, wird man meistens nicht bemerken, dass man ins Fettnäpfchen getreten ist. Die Asiaten leben nach dem Motto das ‘Gesicht (in der Öffentlichkeit) zu wahren’. Das heißt, dass man beim Überschreiten einer Tabu-Zone nicht, wie vielleicht erwartet, einen wütenden oder beleidigten Gesichtsausdruck zu sehen bekommt. Anstatt dessen wird man stets auf das Lächeln der Asiaten stoßen, da es als unhöflich gilt, Emotionen (übermäßig) zu zeigen. Ein Tabu ist daher, jemanden in der Öffentlichkeit zu blamieren.

Um noch einer weiteren peinlichen Situation zu entgehen, muss man sich merken, dass das Naseputzen in der Öffentlichkeit oder gar beim Essen als unentschuldbar gilt. Wer sich die Nase putzen muss, steht auf, entschuldigt sich und geht woanders hin (z.B. auf die Toilette), um sich die Nase zu putzen. Das Niesen kann man dahingegen nicht unbedingt immer verhindern oder unterdrücken, weswegen man sich, falls man in der Öffentlichkeit oder unter Menschen niesen sollte, entschuldigen und dabei den Blick etwas senken sollte. Dies liegt daran, dass das Thema Viren, Bakterien und deren Verbreitung ein sehr heikles Thema in fast allen Gebieten Asiens ist.

Grundlegend ist also zu empfehlen sich vor der Reise in ein asiatisches Land mit den häufig verbreiteten Tabus und No-Gos auseinanderzusetzen, um die ein oder andere unangenehme Situation zu umgehen, obwohl man dies meist erst im Nachhinein bemerken wird. Nichtsdestotrotz passen sich immer mehr Metropolregionen den europäischen und westlichen Verhaltensnormen an. Besucht man beispielsweise Japan, kann man davon ausgehen, dass einem einige basale Interaktionsnormen bereits aus der europäischen Kultur bekannt vorkommen.

 

von Lea Tadic

Beitragsbild: Puzzlefactory

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